Semperoper – Die Kunst der Täuschung

Semperoper in Dresden
Semperoper in Dresden, 2012

Das bekannteste Musiktheater Deutschlands, die Dresdener Semperoper, hat eine nicht so sehr lange wie besonders abwechslungsreiche Geschichte vorzuweisen. Das heutige Prachtstück auf dem Theaterplatz der sächsischen Hauptstadt musste mehrmals gebaut werden. Ursprünglich entstand das Gebäude in dem Zeitraum 1838-1841. Der Architekt Gottfried Semper, stammend aus Hamburg, wurde im Jahr 1834 nach Dresden berufen, wo er die Stelle als Professor der Architektur an der Königlichen Akademie der bildenden Künste übernahm. Hier in Dresden, in einer schnell wachsenden Metropole, konnte der damals gerade 31-jährige sein architektonisches Können unter Beweis stellen. 1841 wurde das heute als Semperoper bekanntes Hoftheater fertiggestellt und damit auch sein berühmtestes Werk. Doch das Gebäude stand unter keinem guten Stern. Nach gerade 28 Jahren, 1869, fiel das Opernhaus einem Feuer zu Opfer. Trotz, dass Semper durch seine Beteiligung an dem Maiaufstand 1849 aus Sachsen fliehen musste, war er derjenige, der den Aufschlag für den Neubau bekommen hat. So entwarf er ein neues Projekt und leitete den Bau, der 1871 begonnen hat, aus der Ferne. Vor Ort fungierte sein Sohn  Manfred Semper als Bauleiter. In der Zeit schrieb Semper um die 3000 Briefe und so steuerte er den Bau des neuen Theaterhauses. 1878 wurde Semperoper Nr. 2  auf dem Dresdner Theaterplatz fertiggestellt. Doch damit geht die Geschichte noch nicht zu Ende. 1945 kamen die Bomber der Alliierten und machten unter anderen auch dieses Gebäude dem Erdboden gleich. Wieder Mal standen die Dresdner Künstler vor dem Nichts. 1977 nahm man sich der Ruine an und baute das Theaterhaus entsprechend Sempers Plänen zum dritten Mal auf. 1985 wurde die Semperoper feierlich wieder eröffnet. 2002 erlebte Dresden eine Flutkatastrophe, die der Semperoper einen Schaden in Millionenhöhe bescherte. Das Bauwerk selbst hielt aber stand und das Haus musste überaschenderweise nicht zum vierten Mal neu aufgebaut werden.  Das sich im Stile der italienischen Hochrenaissance präsentierte Opernhaus zählt zu den eindrucksvollsten Bauwerken Dresdens und wurde bereits im 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten in Europa. Sehr interessant präsentiert sich das Haus von Innen. Das Theater, die Welt der Verkleidung,  Illusion und Imitation, übertrug sich hier auch auf die Innenausstattung. Dort, wo man Marmor vermutet, findet man gekonnt bemalten Gips vor. Die Eiche wird ebenfalls „vorgemalt“ und die Kuppel über dem Publikum ist gar nicht das, was sie zu sein scheint. Die in die Wandverkleidung eingelassenen Marmorplatten, die ausnahmsweise echt sind, wirken wie verlorene Geister aus einer unbekannten Welt. Das Vortäuschen von edlen Materialien, das hier auch Semper breit anwendete, war für die Zeit charakteristisch. Das Bekleiden und Maskieren ist nun mal mit dem Theater unzertrennlich verbunden. Diese Imitationen stellten aber die Restauratoren bei dem Wiederaufbau vor ungeahnten Problemen. Langes Üben war angesagt und immer wieder musste man, da das Resultat nicht zufriedenstellend war, alles entfernen und neu beginnen. Das Endergebnis ist aber beeindruckend. In der Semperoper erlebt man dank dessen das große Theater direkt nach dem Eintreten, schon lange bevor der Vorhang hochgezogen wird und die Hauptvorstellung beginnt.

Reiter vor der SemperoperVor der Oper
Im Vordergrund steht das von Johannes Schilling geschaffene Reiterstandbild König Johanns.



15.05.2012
Music And Dance / Wiener Walzer

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