Das große Rennen des Jahres 1911

Scott - Amundsen, Wettlauf zum Pol
Über die zwei Herren, die im Jahr 1911 fast ein Treffen am Südpol abgehalten haben, sich aber dennoch niemals begegneten, wurden viele Bücher geschrieben. Hier eines davon von Kare Holt: Scott/Amundsen - Wettlauf zum Pol.

Eigentlich wollte er den Nordpol erobern. Auf ihn hat er sich eingestellt und vorbereitet. Es kam aber alles anders. Der damals 39-jährige norwegische Polarforscher Roald Amundsen (1872-1928) gilt heute als der mit Abstand erfolgreichste Entdecker und Eroberer der kältesten Regionen der Erde: Arktis und Antarktis. Schon seit seiner Kindheit begeisterte er sich für die weiße Weiten, sammelte Erfahrung wo er nur konnte, bezwang so gut wie alle norwegischen Gletscher und schlief auch im härtestem Winter bei offenem Fenster, um für große Expeditionen, von denen er träumte, körperlich gut gewappnet zu sein. Die erste, Belgica-Expedition, führte ihn in den Jahren 1897-1899 in die Antarktis. Von 1903 bis 1906 durchfuhr er als Erster die Nordwestpassage, einen bis dato unbezwingbaren Seeweg, der nördlich des amerikanischen Kontinents den Atlantik mit dem Pazifik verbindet und viele Vorgänger Amundsens das Leben kostete. Die Nordwestpassage - Reise machte ihn berühmt, in Norwegen wurde er zum Helden. Dann kam das Vorhaben den Nordpol zu erobern. Zwischendurch stellte sich aber heraus, dass dieser bereits bezwungen wurde. Es war der amerikanische Polarforscher Robert Edwin Peary, der als erste Mensch den Weihnachtsmann zu Hause besuchte. So musste Amundsen seine Pläne ändern. Die Entscheidung fiel auf den Südpol, der war noch zu haben. Bald zeigte sich jedoch, dass er nicht der einzige war, der einen solchen Plan hatte. Der britischer Marineoffizier und Polarforscher Robert Falcon Scott hat sich ebenfalls vorgenommen, das südliche "Ende der Welt" als erster zu erreichen. Während seiner Vorbereitungen gab Amundsen nicht bekannt, dass er zum Südpol aufbrechen will und ließ seinen Konkurrenten in Unwissen. Alle, die Öffentlichkeit, auch die Geldgeber und sogar die Mannschaft seines Schiffes, nahmen bis zum Aufbruch von Amundsens Expedition an, es geht gen Norden. Nur seinem Bruder hat er sich anvertraut und nur ihm war bekannt, dass das Ruder des Expeditionsschiffs Fram nicht nach Norden, sondern genau in die entgegen gesetzte Richtung angelegt wurde. Am 9. August 1910 zog man den Anker ein und stach ins Meer. Das Expeditionsschif Terra Nova von Scott nahm seine Fahrt am 15. Juni 1910 auf, machte aber Pause in Australien. Hier, in Oktober 1910 erreichte Scott die Nachricht, dass Amundsen bereits unterwegs ist. Jetzt wussten beide Konkurrenten, das sie im Rennen sind. Auch Scott, obwohl er sich zu diesem Wettlauf gar nicht freiwilig angemeldet hatte. Plötzlich war er mitten drin und die ganze Welt wusste es. Es ging dabei nicht nur um den Ruf der beiden als Polarforscher. Das Prestige und die Ehre zweier stolzen Nationen, des britischen Empires und Norwegen, standen auf dem Spiel. Im Januar 1911 erreichten beide Expeditionen die Antarktis, luden die Schiffe aus und machten sich bereit für den Winter. Sobald der Polarfrühling anbricht, geht es dann geradeaus zum Südpol. Noch in diesem Jahr, am 14. Dezember 1911, gelang es dem Amundsen als erster den Südpol zu erreichen. Scott konnte das Ziel ebenfalls erreichen, ist dort aber erst 35 Tage später eingetroffen, am 17. Januar 1912. Die Ehre, als erster Mensch den Südpol zu erreichen, fiel damit dem Norweger in die Tasche. Amundsen musste sich aber nach der Rückkehr einige Kritik und Vorwürfe wegen seines Alleingangs anhören. Scott selbst machte ihm keine. Er kehrte vom Südpol nicht mehr zurück. Bereits während der Vorbereitungen als auch später während der Expedition unterliefen ihm zu viele Fehler. Er und seine Gefährten kamen auf dem Rückweg wegen Hunger und Unterkühlung ums Leben.

06.12.2011
Music And Dance / Tim Bendzko

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