Enigma

Enigma Chiffre

Bis tief in die 30er Jahre gaben sich alle Kryptologen, Chiffre-Knacker uns sonstige Spione glücklich und zufrieden. Mit persönlichem Wissen, Kenntnis und vor allem Kreativität war es damals noch möglich sozusagen per Hand alle per Schrift oder Funk verschickten geheimen Nachrichten und Botschaften zu entschlüsseln. Es war auch durchaus wichtig. In der Zeit als die Nazis zur Macht drangen und offensichtlich keine guten Absichten ihren Nachbarn entgegenbrachten, war es für alle Europäer von Vorteil zu wissen, was in Deutschland so alles los war. Die Deutschen waren verständlicherweise kaum daran interessiert, dass man ihnen auf die Finger schaute und suchten intensiv nach einer Methode, die es ihnen möglich machen sollte, ihr Tun zu verheimlichen. Schließlich waren sie voll dabei, die in Versailles vereinbarten Verträge zu brechen, und sich auf einen aggressiven Krieg vorzubereiten. Die Lösung fanden sie, so dachten sie zumindest, mit Enigma (griechisch "Rätsel") und beendeten damit die alte Ära der konventionellen Chiffrierung. Zum ersten Mal in der Geschichte kam im großen Stil eine Maschine in der Welt der Geheimdienste zum Einsatz.
Man geht heute allgemein davon aus, dass der deutsche Elektroingenieur Arthur Scherbius der eigentliche Erfinder von Enigma war. Er patentierte seine Entwicklung 1918. Doch bereits seit 1915 gab es Konstrukteure auch in anderen Ländern, die ähnliche Vorrichtungen vorweisen konnten. Enigma selbst war ein Gerät, das von Größe und Aussehen einer Schreibmaschine ähnelte. Und funktionierte auch ähnlich. Es wurde lediglich um eine Reihe von Chiffrierwalzen erweitert, die verursachten, dass man beim Betätigen einer Taste mit einem Buchstaben als Ergebnis einen anderen, bereits verschlüsselten bekam. Die nach einem Kaskadenprinzip angeordneten Chiffrierwalzen bewirkten, dass die sich hier ergebende Kombinationszahl ins Unermessliche stieg und die Entschlüsselung der so eingetippten Botschaft praktisch unmöglich machte. Das Gerät benötigte eine Spannungsquelle, da die Ergebnis-Buchstaben durch Aufleuchten von Lämpchen signalisiert wurden. Seit Ende der 20er Jahre bis zum Kriegsende fand Enigma in Deutschland breite Verwendung.
Als die ausländischen Funk-Abhörstationen die ersten Enigma-Meldungen auffingen, breitete sich Panik aus. Mit dieser Verschlüsselung waren alle überfordert, alte Entschlüsselungs-Methoden erwiesen sich als völlig unbrauchbar. Der Schock dauerte bis 1932. Die Kryptologen blieben zu keinem Zeitpunkt untätig und arbeiteten unter Hochdruck an dem neuen Code, bis ihre Bemühungen vom Erfolg gekrönt wurden. In der Folge konnten die geheimen Enigma-Texte doch gelesen werden. Es ist erstaunlich, dass die Deutschen bis zum Kriegsende davon ausgingen, dass ihre Enigma-Codes nicht zu knacken sind, obwohl schon vor dem Krieg die Konkurrenz das Problem behoben hatte.
Die Pionierarbeit beim Knacken des Enigma-Codes leisteten die polnischen Kryptologen Marian Rejewski, Jerzy Różycki und Henryk Zygalski. 1938 bauten sie die "Kryptologische Bombe", eine elektromechanisch betriebene Dechiffrierungs-Maschine, mit der es möglich war, mit Enigma verschlüsselte Nachrichten des deutschen Militärs zu entziffern. 1939 übergaben die Polen bei einem geheimen Treffen französischer, britischer und polnischer Codeknacker alle Unterlagen an ihre Verbündeten und halfen ihnen so bei der Bewältigung des Enigma-Problems aus den Startlöchern. Besonders zu erwähnen ist hier der britische Wissenschaftler Alan Turing, der mit der "Turing-Bombe" eine Weiterentwicklung der polnischen Bombe lieferte. Kurze Zeit später wurden auch die Amerikaner in die Problematik mit einbezogen.
Die auf diesem Wege gewonnenen Erkenntnisse über die Streitkräfte der Deutschen und ihre Bewegungen konnten während des Krieges nicht immer genutzt werden. Hätten die Alliierten nach jeder Entschlüsselung gleich zugeschlagen, hätten die Deutschen sofort Verdacht geschöpft und die Codierung ihrer Nachrichten geändert. So galt es um jeden Preis, die Tatsache, dass Enigma geknackt wurde, zu tarnen. Im Mittelmeer wussten die Alliierten ziemlich genau über jeden deutschen oder italienischen Konvoi Bescheid und hätten alle direkt versenken können. Doch bevor es zum Angriff kam, schickten sie immer erstmals ein Aufklärungsflugzeug, dass unbedingt gesehen werden sollte, bevor der Angriff stattfand. Angeblich wusste Churchill dank der Enigma-Entschlüsselung im Vorfeld über den deutschen Luftangriff auf Coventry Bescheid. Er gab aber keinen Befehl zur Evakuierung der Stadt und hat bewusst, um die Enigma-Tarnung nicht auffliegen zu lassen, den Tod von tausenden von Menschen in Kauf genommen.
Bis heute ist man sich über den Einfluss, welchen die Entschlüsselung der Enigma-Nachrichten auf den Verlauf des zweiten Krieges gehabt hat, nicht einig. Wobei dagegen alle übereinstimmen ist die Tatsache, dass mit Enigma die romantische und geheimnisvolle Ära der Kryptologie und Kryptologen unweigerlich zu Ende gegangen war. Gute Vorkenntnisse im Lösen der Kreuzworträtsel beim Einstieg in die Kryptologiewelt wurden nicht mehr ausschlaggebend. Mathematik hielt den Einzug in die Welt der Geheimdienste und wurde zur Grundlage der Verschlüsselung und Enträtselung aller Chiffren.
Mit der Entwicklung der "Kryptologischen Bombe" wurde auch zum ersten Mal in der Geschichte zwecks Dechiffrierung eine Maschine eingesetzt. Heute erledigen diese Arbeit Computer. Die großen Helden der Dechiffrierung, die Kryptologen, überlebten glücklicherweise bis heute. Schließlich muss jemand die Computer programmieren. Da aber die Wissenschaft bereits seit langem an der Entwicklung eines selbstlernenden Computers arbeitet, ist ihre Zukunft keinesfalls gesichert.

Im Banne der EnigmaDer lange Weg der Entschlüsselung von Enigma begann in Polen. Hier wurden die ersten Codes geknackt, Enigmageräte nachgebaut und mit "Bomba" eine neue Ära der maschinellen Dechiffrierung eingeleitet Mit historischer Genauigkeit erzählt Władysław Kozaczuk über die Arbeit der polnischen Kryptologen, ihre Flucht nach dem Kriegsausbruch durch ganz Europa, ihr Schicksal in Exil in Frankreich und später Großbritannien. Parallel hinzu liefert er viele Informationen, Tatsachen und auch Zusammenhänge rund um Enigma, Dechiffrierung und Verwendung an der Front.

Im Banne der Enigma - Ereignisse, Tatsachen, Zusammenhänge
Władysław Kozaczuk
Originaltitel: W kręgu Enigmy, übersetzt von Otto Mallek
Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik
ISBN 3-327-00423-4



The Imitation Game – Ein streng geheimes LebenThe Imitation Game – Ein streng geheimes Leben
Originaltitel: The Imitation Game

Der Film basiert auf dem biografischen Roman "Alan Turing – Enigma" von Andrew Hodges. Der britische Mathematiker Alan Turing wurde 1939 in Bletchley Park von den Briten an das Problem "Enigma" angesetzt. Allgemein wird davon ausgegangen, dass die Enigma-Enträtselung wesentlich den Verlauf des Zweiten Weltkriegs beeinflusste und ihn um zwei Jahre verkürzte. Der Film in Regie von Morten Tyldum wurde achtmal für einen Oscar nominiert und gewann eine Auszeichnung in der Kategorie Bestes Adaptiertes Drehbuch. Die Hauptrollen übernahmen Benedict Cumberbatch als Alan Turing und Keira Knightley als Joan Clarke. Der Film erschien 2014.



Robert Harris - EnigmaDie Handlung von "Enigma" spielt in dem etwa 70 km nordwestlich von London gelegenen Landsitz Bletchley Park. Hier zog man die schlausten Köpfe Englands zusammen, um die deutschen Funknachrichten abzufangen und zu knacken. Ihr wichtigstes Ziel war die Entschlüsselung des U-Boot-Codes, da die deutschen U-Boote durch ihre Angriffe auf Geleitzüge die lebenswichtige Versorgungslinie Großbritanniens zu unterbrechen drohten. Zunächst arbeiteten hier nur wenige Personen, gegen Kriegsende entstand hier mit nah 9000 Mitarbeitern die größte Dechiffrierungszentrale der Welt, die natürlich als "Top secret" eingestuft war. Die Deutschen glaubten bis zum Kriegsende unerschütterlich daran, dass ihre Enigma-Codes nicht zu knacken waren und ahnten nicht, dass die Briten in Bletchley Park schon längst eine andere Wirklichkeit erschufen. Eine Schlüsselrolle nahm dabei der hochkarätiger und für genial gehaltene Kryptoanalityker Tom Jericho an. Er verliebte sich in die hübsche Claire Romilly, die unerwartet verschwand. Alles deutet darauf hin, dass Claire eine deutsche Spionin war und geheime Dokumente aus Bletchley Park herausschmuggelte. Auch dieses Rätsel versuchte Tom zu entschlüsseln.

Robert Harris
Enigma
Wilhelm Heyne Verlag / München
ISBN 3-453-11593-7



Nelson Mandela Im Jahr 1918, als Arthur Scherbius Enigma patentierte, wurde Nelson Mandela geboren.
Claude Debussy Im Jahr der Geburt von Enigma starb der französische Komponist Claude Debussy.
Pearl Harbor Als die Japaner 1941 Pearl Harbor angegriffen haben, waren die Amerikaner noch nicht so gut in Dechiffrierung fremden Nachrichten.
Carmen 1918 fand die erste Verfilmung von Carmen statt.

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20.01.2016

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