Mahatma Gandhi

Mahatma GandhiGandhi
Um Mitternacht die Freiheit

Larry Collins
Dominique Lapierre

Übersetzt von Christian Spiel

Bertelsmann Verlag
ISBN 3-570-02219-6




Als Mahatma Gandhi Ende des 19. Jahrhunderts in London Jura studiert, gibt es überhaupt keine Anzeichen dafür, dass aus ihm jemals ein Mensch werden wird, von dem Albert Einstein einmal gesagt hatte: "Zukünftige Generationen werden kaum glauben können, dass ein Mensch aus Fleisch und Blut, wie er, jemals auf Erden gewandert ist". Gandhi kleidet sich damals wie ein richtiger englischer Gentleman und nimmt sogar Tanzunterricht. Diese Kleidung trägt er noch in Südafrika, als er dort eintrifft, um als Anwalt die Rechte der dort lebenden Inder zu vertreten. Als er Jahre später nach Indien zurückkehrt hat sich die Wandlung, die ihn zu einem Mythos machen sollte, vollständig vollzogen. In Südafrika erlebt er direkt die große Ungerechtigkeit und Diskriminierung, die seinem Volk von den Briten widerfährt und hier setzt er zum ersten Mal die Waffe, die bald das gesamte britische Empire erschüttern sollte, den gewaltlosen und passiven Widerstand ein. So zum Beispiel als die Briten alle in Südafrika lebenden Inder registrieren und sogar ihre Fingerabdrücke sammeln wollen. In Südafrika wird sein politisches Interesse geweckt. Er war überzeugt davon, dass mit Gewaltlosigkeit jedes Ziel erreichbar ist. 1910 gründet er zum ersten mal eine Kommune in der man auf persönliches Eigentum verzichtet. In Südafrika wird er grenzüberschreitend bekannt, die ersten Reporter bitten um Interviews und Indien bereitet sich auf seine Ankunft vor.
Mahatma Gandhi wurde am 2. Oktober 1869 als Mohandas Karamchand Gandhi in Porbandar geboren. Der Junge, der als schüchtern galt, in der Schule eher mittelmäßig war, wurde bereits mit 13, so wie die Sitte es erforderte, verheiratet. Sein Jurastudium in London absolviert er in den Jahren 1888-1891, bis zum Kriegsausbruch 1914 hält er sich in Südafrika als Anwalt auf. Als er 1914 nach Indien zieht, eilt ihm sein Ruf voraus und große Menschenmengen heißen ihn willkommen.
Er bereist zunächst das Land und sieht unter welcher unbeschreiblichen Armut das Volk leidet und wie es von den britischen Kolonialherrschern ausgebeutet wird. Er nimmt sich der Sache als Anwalt der Bauern an, gewinnt großes Ansehen und wird unter den Namen Mahatma, Große Seele, berühmt. Als Führer der Kongresspartei INC stellt er seine ersten Überlegungen an, wie Indien in die Unabhängigkeit zu führen ist. Er mobilisiert seine Anhänger und fordert mit zivilem Ungehorsam und passivem Widerstand das britische Empire heraus. Mit der Parole "Alles, was ein Mensch besitzt, muss er mit eigenen Händen erschaffen" boykottiert er die Waren aus Großbritannien. Wegen solcher Provokationen sehen sich die Briten gezwungen zu handeln. Mahatma Gandhi wird mehrmals verhaftet und verbringt mit Unterbrechungen mehrere Jahre im Gefängnis. Berühmt wurde die von ihm 1930 initiierte Massenbewegung, die sich gegen das britischen Salzmonopol in Indien richtete, der sogenannte Salzmarsch. Große Menschenmassen marschierten mit Gandhi zum Meer, um aus dem Meerwasser Salz zu gewinnen und so das britische Monopol zu verletzen. Die spektakuläre Aktion entwickelte sich zu einem Flächenbrand, machte Gandhi weltberühmt, stellte die Briten vor ein unlösbares Problem und zwang sie schließlich, die erste Unabhängigkeitskonferenz einzuberufen. Die Gespräche in London scheitern zwar, das Vorhaben Gandhis, Indien in die Unabhängigkeit zu führen, änderte sich aber dadurch nicht. Im Jahr 1947, kurz nach dem zweiten Weltkrieg, wurde sein Ziel doch erreicht und Indien unabhängig. Ein Jahr später, am 30. Januar 1948 wurde Mahatma Gandhi von einem fanatischen Hindu erschossen.
Das besondere an Mahatma Gandhi, der nicht nur in Indien zum Mythos wurde, war nicht die Tatsache, dass er für die Unabhängigkeit kämpfte, sondern wie er es tat. Dieser faszinierende Friedensführer, der für Millionen zum Vorbild und Inspirationsquelle wurde, setzte sich stets friedlich, ohne Waffen und ohne jegliche Gewalt für Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Gleichheit und Frieden ein. Und das in einem Jahrhundert, das wie kein anderes von Krieg, Gewalt und Blutvergießen geprägt war. Es ist ein ungeheuerliches Kapitel in der Geschichte des Friedensnobelpreises, dass auf der Liste der Geehrten sein Name nicht zu finden ist.
Für die Inder ist Mahatma Gandhi zum Vater ihres Landes geworden. Man konnte Gandhi oft hinter einem Spinnrad antreffen, als er Wolle für die Kleidung selbst spann. Das Spinnrad wurde zum Unabhängigkeitssymbol Indiens und schmückt heute die indische Nationalflagge.

22.06.2012
Music And Dance / Michael Schanze

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