Im Visier

Zielscheibe

Die am Fluss Wolga liegende russische Stadt Wolgograd zählt heute über eine Million Einwohner und stellt ein bedeutendes wirtschaftliches Zentrum des west-südlichen Teils Russland dar. Damals, 1942, als sie zum Wendepunkt des II Weltkrieges avancierte, bewohnten sie keine halbe Million Menschen und sie hieß auch anders. Der Name der Stadt lautete damals Stalingrad. Wegen der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den Deutschen und Russen wurde Stalingrad so gut wie komplett dem Erdboden gleich gemacht. Das Problem der Stadt lag in ihren Namen. Das in den Namen der Stadt enthaltene Wort „Stalin“ verursachte, dass sowohl der russische Führer Josef Stalin als auch der deutsche Adolf Hitler, die mittlerweile legändere Schlacht um Stalingrad zu ihrer persönlichen Angelegenheit machten. Noch heute wird darüber diskutiert, wie die Russen es fertig gebracht haben, die damals hoch moderne deutsche Armee einzukesseln und nach nahezu 200 Tagen unerbittlichen Kämpfens zu bezwingen. Eine der Ursachen, wie es viele meinen und das wohl mit Recht, waren die russischen Helden, die den Soldaten der roten Armee, von denen so viele zum Angriff getrieben wurden, ohne mindestens ein einfaches Gewehr in der Hand zu halten, Hoffnung und Kraft verliehen haben. Einer von ihnen hieß Wasilij Zajcew. Als Wasilij 1942 bei Stalingrad antraf, war er 27 Jahre alt. Er stammte aus Sibirien, einer Gegend, wo die nördliche Tundra mit der südlichen Taiga um jeden Quadratzentimeter kämpft und wo die Menschen ihre Häuser auf vereistem Boden bauen, in der Hoffnung, auch diesmal wird der Sommer nicht übertreiben und rechtzeitig, bevor die Schmelze einsetzt, dem Winter Platz machen. Die Stärke Wasilijs war das Schießen. Bereits in seiner Kindheit jagte er die Wölfe und anderes Wild in den umliegenden Wäldern. Als er nach seiner Ankunft mit einem einfachen Gewehr innerhalb weniger Tage über 30 deutsche Soldaten tötete, wurde man auf ihn aufmerksam. Ganz schnell wurde er zum Helden erhoben und bekam als Sonderausrüstung ein spezielles Scharfschützengewehr. Seine Heldentaten in den Ruinen von Stalingrad mehrten sich, immer mehr deutsche Soldaten mussten dran glauben und die russische Propagandamaschine, um die Moral der eigenen Soldaten anzuheben, lief auf Hochtouren. Wasilij schoss aber nicht nur ausgezeichnet, er bildete weitere Scharfschützen aus und die von ihm ausgearbeitete neue Taktik wurde für die Deutschen allmählich zum Problem. Neben einfachen Soldaten nahm sich der russische Scharfschütze gerne Offiziere ins Visier und riss besonders schmerzhafte Wunden in die deutschen Reihen. So holten als Antwort die Deutschen aus Berlin nach Stalingrad Major Erwin König, den besten Scharfschützen des Dritten Reiches und setzten ihn auf Wasilij an. Ein außergewöhnliches Duell, das zu Legende wurde, begann. Die beiden Meister des feinen Schusses jagten sich gegenseitig über mehrere Tage in den Ruinen von Stalingrad, stellten Fallen und warteten geduldig auf den Fehler des anderen. Schließlich unterlief einer dem König, den er dann mit seinem Leben bezahlen musste. Nachdem der Major drei russische Soldaten tötete verließ er sein Versteck, um seinen Erfolg zu begutachten. Dass Wasilij unverletzt noch am Leben war und auf einen solchen Fehler nur gewartet hatte, war ihm allerdings entgangen.
Zum Kriegsende sollte Wasilij mehrere hunderte feindliche Soldaten umgelegt haben. Einiges von der Geschichte des Helden Wasilij konnte bis heute nicht eindeutig belegt werden. Mit mehreren Orden ausgezeichnet starb er 1991 in Kijew und nahm die Geheimnisse des Stalingrad- Scharfschützen-Duells mit ins Grab. Tatsache ist, dass trotz dessen Wasilij Zajcew bis heute für den besten und erfolgreichsten Scharfschützen aller Zeiten gehalten wird. 1980 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Wolgograd ernannt.

10.10.2012
Music And Dance / Pixie Lott

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