Loveparade 2010 in Duisburg
Nach einer einjährigen Pause treffen sich
die Techno - Fans am 24. Juli 2010 in Duisburg wieder, um an der Loveparade 2010
teilzunehmen. Gegen 17°° bricht in dem Zugangstunnel an der Karl-Lehr-Straße
wegen eines zu hohen Menschenandrangs Panik aus und beschert der Veranstaltung
ein tragisches Ende.
Die Chronik einer Party :
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Am Tag danach berichtet die Presse weltweit
über die Geschehnisse in Duisburg. Das Thema : "Die Todesparade" (Bild am
Sonntag) wurde zum Hauptthema aller Nachrichtendienste.
Links - Bild am Sonntag vom 25. Juli 2010 mit mehreren Berichten von
Augenzeugen: "Ich sah, wie Menschen in Panik über die Leichen rannten". |
24. Juli 2010 - Samstag
- Schätzungsweise strömen 1,4 Millionen Techno - Raver aus Deutschland und
Ausland um an der Loveparade 2010 teilzunehmen. Treffpunkt : eingezäunter Alter
Güterbahnhof in Duisburg.
- Kurz nach 17°° berichten die ersten Meldeagenturen über die Panik, die während
der Party ausgebrochen ist. Man spricht von Toten und Verletzten. Das Unglück
geschah kurz vor der Schlusskundgebung. In den ersten Meldungen berichtet man
von 10 Todesopfern.
- Das Ausmaß der Katastrophe wird langsam sichtbar. Man berichtet jetzt von 15 Toten
und unzähligen Verletzten. In den in der Nähe des Partygeländes gelegenen Wedau -
Kliniken herrscht Hochbetrieb. Die meisten verletzte werden hierher gebracht.
- Die Fernsehmoderatoren kämpfen bei der Live - Berichterstattung vor Ort mit
Tränen.
- Nicht alle Teilnehmer der Loveparade kriegen die Ereignisse mit. Aus
Sicherheitsgründen entscheidet man sich - um eine erneute Panik zu vermeiden -
die Veranstaltung fortzusetzen. Die Party dauert bis 23°° Uhr.
- Die Duisburger Autobahn A59 wird gesperrt und zum Transport der Verletzten
benutzt. Auch der Duisburger Hauptbahnhof wird vorübergehend gesperrt.
- Die Nachricht über die Tragödie spricht sich vor Ort herum. Immer mehr Partygäste
greifen zu ihrem Handy, wodurch das Handynetz über Duisburg wegen Überlastung
zusammenbricht. Die Eltern können ihre Kinder nicht erreichen und zittern
stundenlang um ihr Leben und ihre Gesundheit.
- Innerhalb kürzester Zeit tauchen Bilder, private Videoaufnahmen,
Augenzeugenberichte und Meldungen im Internet auf.
- Die Angehörigen und Freunde sowie die ersten Journalisten versammeln sich
vor den Krankenhäusern.
25. Juli 2010 - Sonntag
- Alle Zeitungen im In- und Ausland bringen die ersten
Berichte und Bilder über die tragischen Vorkommnisse von gestern. Die Meldungen
sind streckenweise schockierend. Augenzeugen berichten von mehreren Menschen,
die nach der Panik übereinander lagen. Die Hilfsdienste kamen wegen versperrten
Zugängen für viele Opfer zu spät. Die Unglückstelle kurz danach glich einem
Kriegsszenario.
- Es mehren sich Stimmen, die nach Ursachen der Panik und den Verantwortlichen
fragen. Bis jetzt halten sich die Veranstalter und der Duisburger Oberbürgermeister
in der Frage bedeckt.
- Die ersten organisatorischen Fehler und Sicherheitslücken werden bekannt.
- Die deutschen Politiker melden sich bestürzt über die Katastrophe zu Wort
und bringen ihr Entsetzen und Trauer zum Ausdruck. Unter ihnen Bundespräsident
Christian Wulff, Kanzlerin Angela Merkel, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin
Hannelore Kraft, Bundesaußenminister Guido Westerwelle, NRWs Innenminister Ralf
Jäger und der Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland.
- Papst Benedikt XVI. spricht den Angehörigen der Opfer der Loveparade -
Katastrophe seine Anteilnahme aus.
- Es wurden mehrere Hotlines angelegt, wo die Menschen, die ein Betreuungsangebot
in Anspruch nehmen möchten, anrufen konnten. Es gibt auch eine Hotline für die
Angehörigen der Opfer.
Die ersten Berichte in dem Kölner Sonntag Express vom
25. Juli 2010. Die Anzahl der Toten wird hier noch mit 15 angegeben, über
100 Verletzte. Bei den Toten handelt es sich um neun Frauen und sechs Männer. |
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26. Juli 2010 - Montag
- Die Anzahl der Toten ist mittlerweile auf 19
angestiegen.
- Immer intensiver fragt man sich, wer auf die Idee gekommen ist, eine
Veranstaltung von dieser Größenordnung, die bis jetzt als eine offene
Straßenveranstaltung abgehalten wurde, in ein abgeschlossenes Gelände zu zwingen.
Vor allem dann, wenn ihr Aufnahmevolumen lediglich mit 250.000 Menschen angegeben wird.
- Es wird bekannt, dass der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland die
Veranstaltung erst am Samstag genehmigt hat.
- In Duisburg herrscht gegenseitige Schuldzuweisung. Niemand fühlt sich für die
Katastrophe verantwortlich. Die Stadt Duisburg entzieht sich der Verantwortung.
Loveparade Chef Schaller greift die Polizei an und weist die Schuld von sich ab.
- Es wird bekannt, dass die Polizei und Feuerwehr bereits vor dem Event auf
Sicherheitslücken hingewiesen haben, die von den Organisatoren jedoch ignoriert wurden.
- Die Zahl der Opfer ist auf 20 gestiegen. Bei dem 20sten Opfer handelt es sich
um eine 21jährige Deutsche, die im Krankenhaus ihren Verletzungen erlag. Die Zahl
der Verletzten wird mit 510 angegeben. In den Krankenhäusern liegen immer noch
schwer Verletzte.
- Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft kritisiert die
Organisatoren und fordert rasche und bedingungslose Aufklärung der Tragödie.
- Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland lehnt seinen Rücktritt ab.
- Im Duisburger Rathaus wird ein Kondolenzbuch ausgelegt.
- Sicherheitskonzept der Loveparade 2010 gerät immer stärker unter Druck. Es wird
bekannt, dass es schon lange strittig war. Die entsprechenden Unterlagen wurden
von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Die Ermittlungen wegen fahrlässige Tötung
wurden aufgenommen und können, laut Staatsanwaltschaft, mehrere Monate andauern.
Sie wurden von der Kölner Polizei übernommen.
- Es wird berichtet, dass es einen zweiten Polizei - Sicherheitsplan gegeben hat.
Er wurde allerdings von der Stadt als zu aufwändig abgelehnt.
- Der Tunnel - Zugang, der sich schließlich als die Todesfalle herausgestellt
hat, hat vielen Internet - Nutzern bereits vor der Party Sorgen gemacht. Es gibt
viele Internet - Einträge, wo auf die Gefährlichkeit des schmalen Zugangs hingewiesen wurde.
27. Juli 2010 - Dienstag
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Zwei Tage nach dem Unglück sind die Zeitungen immer
noch voll von Informationen und berichten über das Duisburger Desaster. Hier
Süddeutsche Zeitung, Ausgabe 27. Juli 2010 |
- Einige der Schlagzeilen :
- Das Ruhrgebiet trauert (Westdeutsche Allgemeine, 27.07.2010)
- Kölner Polizist klagt an: Die Schlamperei der Loveparade - Macher (Kölner Express, 27.07.2010)
- Suche nach den Schuldigen (Westfälische Rundschau, 27.07.2010)
- Mehr als 500 verletzte (Süddeutsche Zeitung, 27.07.2010)
- Der Gründer der Loveparade Dr. Motte, der 1989 mit 150 Ravern zum ersten Mal
durch Berlin zog, bezeichnete Duisburg als einen für die Loveparade nicht geeigneten Ort.
- Die Diskussion über die Sicherheitsmängel wird fortgesetzt. Weitere Mängel
wie z.B. fehlende Trennzäune zwischen Ein- und Ausgängen werden unter die Lupe
genommen.
- Die Loveparade 2010 wurde mit 7,5 Millionen Euro versichert.
- Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland lehnt seinen Rücktritt nach
wie vor ab.
- Immer mehr Trauernde besuchen den Unglückort. Es werden Blumen niedergelegt
und Kerzen angezündet.
- Es wird bekannt, dass der ehemalige Bochumer Polizeipräsident Thomas Wenner
eine Strafanzeige gegen Duisburgs Oberbürgermeister und weitere leitende Beamte der
Stadt erstattete.
- Die Mediziner melden : alle 20 Opfer der Panik bei der Loveparade 2010 in
Duisburg sind an Brustquetschungen gestorben. Dies ergaben die
Obduktionsuntersuchungen.
- Der Veranstalter von Großevents (Rock am Ring) Marek Lieberberg : "Das ist
kein tragisches Unglück, sondern ein Verbrechen"!
- Der Wittener DJ André Tanneberger alias ATB
widmet den Opfer der Loveparade 2010 einen Song. Er erfuhr von dem Unglück vor Ort
als er gerade Musik spielte. Ein Interview mit André Tanneberger diesbezüglich
findet man unter www.derwesten.de/atb.

28. Juli 2010 - Mittwoch
- "Duisburg kannte die Gefahr". (WAZ, 28.07.2010)
- Die Zahl der Todesopfer nach der Massenpanik hat sich auf 21 erhöht. In der
Nacht erlag eine 25 Jahre alte Frau im Krankenhaus ihren Verletzungen.
- Der Druck auf den Duisburger Oberbürgermeister Sauerland wächst. Man verlangt
seinen Rücktritt und Übernahme der politischen Verantwortung. Er selbst macht die
Polizei für das Unglück verantwortlich. Es gibt erste Morddrohungen gegen ihn und
er wird unter polizeilichen Schutz gestellt.
- In der Frage der Bedeutung der Loveparade 2010 für die Stadt Duisburg ist man
sich einig. Die seit Jahren in den negativen Schlagzeilen stehende Stadt Duisburg
hat ihren Ruf und Image statt aufzupolieren, was mit dem Event beabsichtigt war,
noch weiter verschlechtert.
- Man berichtet, dass während der Veranstaltung keine oder nur defekte
Funkgeräte vorhanden waren.
- Der Informationsfluss über die Duisburger Loveparade in der Presse, Internet,
Radio und Fernsehen reißt nicht ab. Laufend werden die Leser und Hörer über neue
Erkenntnisse und Meinungen informiert. Das Thema beschäftigt auch die Menschen im
Ausland. Hier werden oft die Ursachen der Tragödie in Geldgier, überhöhten
Ambitionen der lokalen Politik und amateurhaften Durchführung des Events gesucht.
- Viele Besucher der Loveparade weisen auf mangelhafter oder gar fehlende
Beschilderung der Wege am Tag der Veranstaltung hin.
29. Juli 2010 - Donnerstag
- Die Stadt Duisburg bereitet sich auf eine Trauerfeier
für die Opfer der Massenpanik. Die Messe soll am Samstag, den 31.Juli 2010
um 11°° Uhr in der Salvatorkirche in Duisburg stattfinden.
- Weiterhin ist unbekannt, wer für das Unglück die Verantwortung trägt. So der
Oberbürgermeister Sauerland als auch der Veranstalter Schaller weißen die Schuld
von sich ab.
- Mehrere hundert Bürger versammeln sich vor dem Duisburger Rathaus und
fordern den Rücktritt des Oberbürgermeister Sauerland. Die Menschen sind sauer.
Es heißt "Der Mann ist nicht mehr haltbar", "Hat das menschliches Leben keinen
Wert mehr?". Mehrmals skandiert man "Sauerland raus!"
- Die Polizei meldet : Der polizeiliche Einsatz während der Loveparade in
Duisburg ist gut verlaufen und nur er konnte verhindern, dass es nicht zu zu
einem noch größeren Unglück kam.
- Weitere organisatorische Panne der Duisburger Behörden: Die Angehörigen der
Opfer wurden ursprünglich nicht zur Trauerfeier eingeladen und erfuhren über sie
erst aus der Presse. Der Fehler wurde nachträglich korrigiert.
- Hunderte Menschen tragen sich in das inoffizielle Kondolenzbuch ein, das am
Unglücksort ausgelegt wurde.
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Die Bilder, die Opfer,
das Versagen der Behörden
Love-Parade Duisburg
Ausgabe 31 vom 29.7.2010
Es spielt keine Rolle, ob es eine Million, 500.000 oder nur 100.000 Besucher
sein sollten. Jedem, der sich vor die Zugangsrampe zu dem
Hauptgelände der Loveparade 2010 stellt, wird sofort klar, wie
schwachsinnig und vor allem gefährlich die Idee war, auf diesem Wege
die erwarteten Menschenmassen transportieren zu wollen. Stern zu
diesem Thema :
"Die Polizei hielt 30.000 Raver für realistisch, die pro Stunde den
Tunnel passieren können. Demnach hätte allein der Auf- und Abmarsch
der Menschenmassen fast zwei Tage in Anspruch genommen, die Party
nicht mitgerechnet".
Immer deutlicher wird es, dass die Veranstaltung unter diesen
Voraussetzungen erst gar nicht genehmigt werden durfte. |
30. Juli 2010 - Freitag
- Der Druck auf den Duisburger Oberbürgermeister Sauerland
wächst weiter. Jetzt meldet sich neben Politikern aus anderen Parteien sogar
seine eigene Partei CDU und fordert eine "richtige Entscheidung". Sauerland lehnt
nach wie vor die Verantwortung für die Loveparade - Tragödie ab.
- Zu der Trauerfeier am Samstag werden um die 10.000 Menschen erwartet. Man
schließt es aber nicht aus, dass sie sich in eine Massenveranstaltung mit
hunderttausenden Besuchern verwandelt.
- Es wird bekannt, dass der Oberbürgermeister Sauerland und der Veranstalter
Schaller aus Rücksicht auf die Familien der Opfer bei der Trauerfeier nicht
erscheinen werden.
- Für die Sicherheit in Duisburg wird die Essener Polizei sorgen.
- Die Sicherheit bei Großveranstaltungen wird zum großen Thema. Es werden
nochmal die Sicherheitspläne bei kommenden großen Veranstaltungen gründlich
überprüft. Die Verantwortlichen aus anderen Städten und Kommunen wollen Einsicht
in das Duisburger Sicherheitskonzept, um zu lernen.
- Es befinden sich immer noch 25 Verletzte in den Krankenhäusern.
- Die Ermittlungsgruppe "Loveparade" ist komplett und besteht aus 63 Mitgliedern.
Die Beamten arbeiten in Köln.
- Am Sonntag ist ein Spendentrauermarsch geplant, der von den Duisburger
Bürgerorganisationen organisiert wird. Es soll Geld für eine Gedenktafel zur
Erinnerung an die Toten und Verletzten der Loveparade, die am dem Unglücksort
aufgestellt werden soll, gesammelt werden.
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Neue Ruhr Zeitung 31. Juli 2010
"Heute trauert das Land mit Duisburg" |
31. Juli 2010 - Samstag
- Es wird eine Erklärung des Oberbürgermeister Sauerland erwartet. Man geht
von seinen Rücktritt aus.
- Zur Trauerfeier für die Opfer bei der Loveparade in Duisburg wurden an
öffentlichen Gebäuden die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Die Trauerbeflaggung
für alle öffentlichen Gebäude unter Aufsicht des Bundes wurde vom
Bundesinnenministerium angeordnet.
- Tausende Menschen nehmen in Duisburg
während der Trauerfeier Abschied von den 21 Opfern der Loveparade. Unter den
Teilnehmern Bundespräsident Christian Wulff, Bundestagpräsident Norbert
Lammert, Kanzlerin Angela Merkel und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin
Hannelore Kraft. Der Gottesdienst aus der Duisburger Salvatorkirche wurde ins
MSV-Fußballstadion und weiteren 14 Kirchen übertragen.
- Nikolaus Schneider, Präses der evangelischen Kirche im Rheinland in seiner
Predigt : "Die Loveparade wurde zum Totentanz".
- Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in ihrer Rede: "Es
ist schwer, Worte zu finden angesichts des Todes. Und noch schwerer ist es,
angesichts der Umstände, unter denen 21 junge Menschen plötzlich aus dem Leben
gerissen wurden. Aus ihren Hoffnungen und Träumen, aus ihren Zukunftsplänen,
mitten aus ihren Familien und Freundeskreisen. Sie alle hatten ihre ganze
Zukunft noch vor sich". Und später :
"Uns alle lässt das Geschehene nicht los. Es macht uns betroffen, hilflos und
manche auch wütend. Viele Fragen und noch zu wenige Antworten".

August 2010
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