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Eurovision Song Contest

HELSINKI 2007
Zeit für den Ausstieg ?


ESC - Logo

In diesem Jahr nahmen an dem traditionsreichen Eurovision Song Contest in Helsinki 42 Länder teil : eine Rekord - Teilnehmerzahl. 28 von ihnen mussten ins Halbfinale, wobei sich neun Osteuropäer und die Türkei für die Endrunde mit insgesamt 24 Kandidaten qualifizierten. Die zehn Bestplatzierten des Vorjahres sowie die vier größten Teilnehmerländer Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien waren automatisch fürs Finale gesetzt. Trotz aller Bemühungen musste sich in diesem Jahr der 52. Grand Prix eine massive Kritik gefallen lassen. Man berichtet von Stimmen-Mafia aus Osteuropa, die durch

Eurovision Bildzeitung 2007
schlaue Stimmenschieberei die ersten Plätze für sich geholt hat. Das Event, das mit Abba seine glorreichen Zeiten in den 70er Jahren erlebte, wurde von vielen in diesem Jahr zu einer schlechten Phrase degradiert und wenn die lauten Stimmen aus Westeuropa gehört werden, die nach einem Ausstieg rufen, steht es sogar vor dem Aus. Entsetzt schauten die Westeuropäer am Samstag den 12.05.2007 im Fernsehen auf die Punkttafel : von 24 Teilnehmern gingen die ersten 16 Plätze an Osteuropäer (außer Türkei und Griechenland). Der 52. Eurovision Song Contest wurde zu einem Wettbewerb der Osteuropäer. In allen Zeitungen, nicht nur in Deutschland, ist eine hitzige Diskussion entbrannt: Was ist mit den alten, guten Grand Prix geworden, soll man nicht lieber aus diesem Contest aussteigen? Die Unzufriedenen sind auch gut zu verstehen. Neben Deutschland finanzieren auch Frankreich, England und Spanien den Wettbewerb und wenn, wie man meint, die Ergebnisse vorab feststehen, wozu mitmachen? Der Verlauf der Abstimmung lässt tatsächlich vermuten, dass die neuen Mitglieder der europäischen Union offenbar den Sinn des Contest noch nicht verstanden haben und geben in einem Musikwettbewerb ihre Stimmen, nicht zum ersten Mal, nach Nationalität ab. So fragen sich viele, wo ist eigentlich die Musik geblieben?
So mehren sich die Stimmen, die als Ausweg den Ausstieg aus dem Contest suggerieren. "Dass es so extrem ausgeht, damit hätte ich nicht gerechnet" sagt der deutsche Vertreter Roger Cicero, der mit dem Song Frauen regier'n die Welt" aufgetreten ist und den 19. Platz belegte. Erschüttert zeigt sich auch Nicol, die Gewinnerin des Contest im Jahr 1982 mit "Ein bisschen Frieden" und fordert einen Rücktritt aus dem Contest. „Ich bin zutiefst erschüttert über das Ergebnis der Abstimmung“, sagt Nicole in BILD. „Das ist das endgültige Zeichen, dass wir Deutschen beim Grand Prix überhaupt keine Chance mehr haben.“ Andere Stimmen schlagen sogar vor, den Contest aufzuteilen. Doch wie sehr auch enttäuschend die Ergebnisse für Westeuropäer ausgefallen sind, ein Ausstieg aus dem Eurovison Song Contest wäre wohl eine der schlechtesten Lösungen. Durch einfaches Weglaufen wird niemanden geholfen. Eine Teilung des Contest auf West und Ost : ein Absurd. Eurovision Song Contest ist ein Stück der europäischen Kultur, ein Stück der europäischer Geschichte, ein kurzer Augenblick, wo das gesamte Europa etwas gemeinsam unternimmt. Von Madrid bis Moskau, von Helsinki bis Athen. Ein Augenblick, von denen es nur so wenige gibt. Und auch wenn es schlecht gemacht worden ist, ändert sich an dieser Tatsache nichts. >>

Eurovision WAZ 2007

SpiegelOnline berichtet :

Den Westen ins Gebet nehmen

"Dass Roger Cicero böse abschmierte, kann man noch der großen Diskrepanz zwischen Swing und den anderen Genres zuschreiben. Dass sich Frankreich und England blamiert haben, war jedoch hausgemacht. Mit grenzdebilen Konserven kann man kein Millionenpublikum erobern, schon gar nicht Hörer und Zuschauer, für die Popmusik viel mehr mit Folklore als mit den gängigen Soundmustern des angelsächsischen Marktes zu tun hat."

ESC 2007 - Serbien
Die serbische Finalistin Marija Serifovic

"Wir machen den Wettbewerb unter uns aus."
>> Die Frage, die sich hier stellt, lautet eher: Warum hat man so lange mit einem vernünftigem Abstimmungssystem gewartet? Denn das ist es, was der europäische Song Contest dringend braucht. Eine neue Regel, die eine mögliche Stimmenschieberei unterbinden würde und für objektive Ergebnisse sorgt, wodurch auch das Niveau des Contest hochgeschraubt werden könnte. Gleich mehrere Szenarien sind hier denkbar. Eine Beteiligung einer Fachkommission wäre ebenfalls nicht auszuschließen. Möglicherweise fühlen sich die Organisatoren mit der Festlegung einer passenden Formel überfordert. Die Deutsche Bundesregierung zeigt sich hier viel schlauer und bezieht in solchen Fällen einfach Fachleute ein. Und das eine mathematische Formel sogar das Bild einer gesamten Nation zu verändern vermag, muss man sich erst mal bewusst machen. Im Auftrag der Regierung z.B. entwickelte der Aachener Mathe - Professor Niemeyer eine Formel zu Verteilung der Überhangmandate und machte aus einem trägen und konservativen Deutschland ein flottes, junges und offenes Land. >>

HELSINKI

Helsinki

12.06.1550 - das ist das Datum, das für den Gründungstag Helsinkis gehalten wird. Gegründet wurde Helsinki von dem schwedischen König Gustav Wasa als neuer Handelsplatz. Die Stadt sollte den heutigen Tallinn Konkurrenz machen. Um den Ausbau der Stadt zu beschleunigen erließ der König eben am 12.6.1550 eine Verfügung, der zufolge die Angehörigen der Bürgerstände von Rauma, Ulvila , Porvoo und Tammisaari nach Helsinki umziehen mussten. Es stellte sich allerdings heraus, dass man "per Gesetz" die vorhandenen Handelstraditionen nicht ohne weiteres verändern kann. Helsinki blieb ohne Bedeutung und diente über Jahre lediglich als wichtiger Stützpunkt für militärische Abenteuer Schwedens. Nach Niederlagen gegen Russland fing man 1748 an, auf Inseln vor der Stadt die Seefestung Viapori zu bauen(Suomenlinna). Der Bau von Suomenlinna war ein Wendepunkt in der Entwicklung Helsinkis. Die Stadt begann zu prosperieren, Handel und Schiffahrt wuchsen rasch, Helsinki wurde zu einer Großstadt. 1812 wurde Helsinki zur neuen Hauptstadt von Finnland. Im Großraum Helsinki leben heute über 1 Million Menschen.

Helsinki

PUNKTE

Eurovision Song Contest 2007


1. Serbien 268
2. Ukraine 235
3. Russland 207
4. Türkei 163
5. Bulgarien 157
6. Weißrussland 145
7. Griechenland 139
8. Armenien 138
9. Ungarn 128 
10. Moldavien 109
11. Bosnien-Herz. 106
12. Georgien 97
13. Rumänien 84
14. Mazedonien 73
15. Slovenien 66
16. Lettland 54
17. Finnland 53
18. Schweden 51
19. Deutschland 49
20. Spanien 43
21. Litauen 28
22. Frankreich 19
23. Großbritannien 19
24. Irland 5

"Egal was es ist - es muss swingen"
Roger Cicero


Roger Cicero stammt aus einer Künstlerfamilie. Sein Vater, Eugen Cicero, war ein bekannter Pianist, der als Pionier versuchte, Jazz und Klassik zu verschmelzen. Er brachte viele Schallplatten heraus und machte Konzerte in ganz Europa. Die Mutter war eine Operntänzerin. Als Kind lernt Roger zuerst Klavierspielen, danach kommt die Gitarre, mit 12 kommen erste Bühnenauftritte, mit 16 die erste TV-Show. Nachdem die Truppe um ihn feststeht, kann er sich wagen, etwas eigenes auf die Beine zun stellen. Die Ergebnisse lassen sich sehen. Sein erstes Album, Männersachen, geht hoch in die Charts und hält sich dort lange. Bald erlangt das Album Platin-Status. Die erste Single "Zieh die Schuh aus" wird zum Hit. Danach geht es weiter steil aufwärts. Roger Cicero gewann mit seinem Swing-Titel "Frauen regier'n die Welt" den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest und trat am 12. Mai 2007 in Helsinki für Deutschland an.

>> Abgesehen davon, dass sich die Welt über die Ergebnisse aufregt, gab es durchaus in diesem Jahr Sehenswertes. Deutscher Vertreter Cicero, weiß angezogen mit passendem Hut, hat einen guten und professionellen Auftritt abgeliefert. Mit Gefühl und Energie brachte die Siegerin aus Serbien (Marija Serifovic, Ex - BWL - Studentin) ihre Ballade vor. Schon bei Proben erntete sie jedes Mal dicken Applaus. Die Finnen sorgten für eine gute Show, das Moderatoren-Duo ergänzte stillvoll den Verlauf. Die 9000 Zuschauer machten aktiv mit, Flaggen und Fahnen füllten den Saal, überall Nationalfarben aus ganz Europa. Über 7 Millionen Deutsche verfolgten die Geschehnisse in dieser durchaus symphatischen Show. Das bei einer solchen Mischung aus allen Ecken Europas unterschiedliche Geschmäcker aufeinander prallen, ist wohl nicht zu vermeiden. Dass die Ergebnisse nicht jedem gefallen, ebenfalls. Doch in den letzten Jahren hat ESC tatsächlich viel an Ernsthaftigkeit verloren. Möglicherweise bewegt die große Aufregung aus dem Jahr 2007 die Organisatoren zu sinnvollen Änderungen, so dass wir alle 2008 in Belgrad, die Show wie in alten Zeiten in voller Pracht erleben werden. Das, was die Zuschauer in diesem Jahr erlebt haben und als eine unfaire Stimmenschieberei abgestempelt worden ist, ist keinesfalls eine Erfindung der Osteuropäer. Des öfteren musste man resigniert zuschauen, wie sich so manche Länder der Nachbarhilfe bedient haben. Dieser Zustand ist allgemein bekannt z.B. aus den Abstimmung der skandinavischen Ländern : Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark. Das hat man allerdings schon vergessen, jetzt werden die Bösen im Osten gesucht. Bei den Osteuropäern wäre das Verhalten aus einer bestimmten Sicht sogar verständlich. Nach dem Fall der Mauer wurde ihnen ihre eigene Armut erst richtig bewusst und sichtbar, also holten sie sich zumindest etwas Spaß nach Hause. Das soll allerdings nicht falsch verstanden werden. Hiermit sind die Osteuropäer nicht entschuldigt und die Skandinavier nicht aufgefordert worden, ihre Abstimmungstaktik besser zu koordinieren. Die Kritik an die Organisatoren des ESC in diesem Jahr muss als berechtigt angesehen werden. Trotz vieler Erfahrungen hat man nichts unternommen um solchen Praktiken entgegenzuwirken. Es ist nichts geschehen, was bis jetzt nicht bekannt und was nicht praktiziert gewesen wäre. Es hatte in diesem Jahr lediglich extreme Maßen angenommen. Erst dann wird ESC wieder das, was es einmal war, wenn man sicher stellt, dass nicht Schweden, Russland, Deutschland oder Spanien die Gewinner sein werden, sondern der beste Song seinen Weg bis hin auf das Treppchen findet. Denn das ist ESC, ein Song Contest. Und es lohnt sich um ihn zu kämpfen, mit rund 100 Millionen Fernsehzuschauern in aller Welt gilt der Eurovision Song Contest als der größte Musikwettbewerb überhaupt, immerhin : Made in Europa.
Juni 2007
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