cd Sonderzug nach Pankow





Die Mauer

Ich hab'n Fläschchen Cognac mit und das schmeckt sehr lecker
das schlürf' ich dann ganz locker mit dem Erich Honecker
und ich sag: Ey, Honey, ich sing' für wenig Money
im Republik-Palast, wenn ihr mich lasst


Warum nach so einer Ansprache Erich Honecker den Udo nicht gleich zu sich bestellte, dürfte tatsächlich nur einen Grund haben: Erich musste ein hoffnungsloser Langweiler gewesen sein. Er regierte sein DDR - Reich zu diesem Zeitpunkt als Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Staatsvorsitzender der Deutschen Demokratischen Republik seit bereits 12 Jahren.
1983 kam Udo auf die Idee mit einem Lied, das bald unter dem Titel "Sonderzug nach Pankow" in beiden deutschen Staaten die Runde machen sollte, den Erich Honecker, wie er es ausdrückt, den "Oberindianer" von drüben, direkt anzusprechen. Er möchte unbedingt in der DDR singen. Dass Erich mit dem Humor schon so seine Probleme hatte, hatte der Udo wohl geahnt. Um ihn etwas zu besänftigen heißt es im "Sonderzug nach Pankow" weiter:

Sonderzug nach Pankow

Honey, ich glaub', Du bist doch eigentlich auch ganz locker
ich weiß, tief in dir drin, bist Du eigentlich auch'n Rocker
Du ziehst dir doch heimlich auch gerne mal die Lederjacke an
und schließt Dich ein auf'm Klo und hörst West-Radio


Das Deutsche - Mauer - Problem befasste Udo Lindenberg allerdings schon seit sehr viel früher. Er wohnte damals in Berlin und war mit der Teilung sozusagen tagtäglich konfrontiert. 1973 schrieb er das Lied "Mädchen aus Ost-Berlin", das er oft live vorgetragen hatte. Ein Lied über ein Mädchen, dass er im Ost-Berlin getroffen hatte, dann aber, da er nur einen Tagesschein hatte, wieder zurück musste. Schon damals wurde "Mädchen aus Ost-Berlin" zu einer heimlichen Nationalhymne in der DDR. Danach gab es noch "Rock'n'Roll-Arena in Jena" und "Hallo, DDR". Zu dem Zeitpunkt, als Udo mit dem "Sonderzug nach Pankow" noch mal nachgelegt hatte, war er eigentlich bereits das Rebell - Idol in der DDR schlechthin. Am 2. Februar 1983 kam die Single heraus. In West-Deutschland erreicht der Hit den 5. Platz der Single-Charts und hält sich in den Charts sieben Wochen lang auf.
Die Botschaft durchbrach ganz unerwartet die Mauer und am 25. Oktober 1983 kam es zum ersten und auch wenn einzigen Auftritt von Udo Lindenberg in der DDR. Er fand zusammen mit anderen Künstlern unter dem Titel "Rock für den Frieden" im Berliner Palast der Republik statt. Den Auftritt konnte man damals im Fernsehen verfolgen. Die Ausstrahlung erfolgte mit einer kurzen Zeitversetzung, aus Sicherheitsgründen versteht sich. Zu einer geplanten Tournee in der DDR kommt es leider nicht. Obwohl "Sonderzug nach Pankow" während des Konzertes nicht gespielt wurde, erreicht der Song jenseits der Mauer einen Kultstatus.
Udo Lindenberg belässt es nicht dabei und so findet seine DDR - Story eine Fortsetzung. Er versucht, so gut es geht, mit dem Generalsekretär in Kontakt zu bleiben. Nach wie vor will er in der DDR auftreten. Im Juni 1987, anlässlich des David Bowie Konzertes im Westberlin, schickte Udo dem Honecker eine Lederjacke zu. Als Antwort bekam er eine Schalmei zurück, ein Blasinstrument. Die Antwort war für Honecker wichtig, er musste sein Image im Westen etwas aufpolieren, es stand sein erster Besuch in der Bundesrepublik Deutschland an. Im September 1987 war es dann so weit. Erich ist nach Westdeutschland gekommen. Udo setzte alles ein, um ein Treffen mit ihm zu erwirken, mit Erfolg. Zu der Begegnung kommt es in Wuppertal. Hier, vor dem Friedrich-Engels-Haus überreichte Udo Lindenberg Erich Honecker persönlich ein weiteres Geschenk : eine Gitarre. Darauf ein Slogan: "Gitarren statt Knarren". Aber auch dieser Versuch bleibt ohne Echo. Keine Einladung zur einer Tour in der DDR. Schade, denn seine Fangemeinde in der DDR wurde immer größer. In dem Lied wird auch diese Tatsache erwähnt:

Ich weiß genau, ich habe furchtbar viele Freunde in der DDR
und stündlich werden es mehr
och, Erich ey, bist Du denn wirklich so ein sturer Schrat
warum lässt Du mich nicht singen im Arbeiter- und Bauernstaat?


Es half nichts: Udo tourt durch Ostdeutschland erst kurz nach dem Zerfall der DDR.

Mit dem "Sonderzug nach Pankow" und allem Drumherum hat er sich ganz unauffällig fest in die Geschichte des geteilten Deutschland reingeschrieben. Und die der Mauer. Er ist zwar nicht derjenige, der den Fall der Mauer eingeleitet hat. Udo Lindenberg ist auch nicht der, der sie schließlich zum Fall gebracht hat. Aber er hat stark an ihr mit gesägt. Und er hat's solide gemacht. Die Mauer fiel. Sie gibt es nicht mehr.

Sonderzug nach Pankow

Mit dem "Sonderzug nach Pankow" landete Udo Lindenberg seinen einzigen Top 10 - Hit in Deutschland. Die Nummer ist auf dem Album "Odyssee" aus dem Jahr 1983 zu finden, das Platz 3 der deutschen LP-Charts erreichte. Alle Titel auf dem Album :

1. Odyssee
2. Dr. Kimbel auf der Flucht
3. Du knallst in mein Leben
4. Sonderzug nach Pankow (Chattanooga Choo Choo)
5. Killer - Kino
6. Body Building Braut
7. Ich Bin Beim Bund
8. Kleiner Junge
9. Kralle
10. Heyooh Guru
11. Mein Onkel Joe


(2009)




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