charleston CHARLESTON

Es war ungefähr um 1925, als die ersten Vorboten von einer unbekannten Mode kommend aus Amerika auch Deutschland erreicht haben. Das einzige, was sicher war, ist die Tatsache gewesen, dass die Neuheit bereits die europäische Kulturhauptstadt Paris erreichte. So schickte man aus Deutschland nach Frankreich einige "Spione", um herauszufinden, was drüben los war. Andere europäische Länder haben es den Deutschen nachgemacht und entsandten ebenfalls eigene Auskundschafter, um der Sache auf den Grund zu gehen. Bald waren sie alle zurück daheim und es dauerte nicht lange bis ganz Europa der neuen Mode ganz und gar erlegen war. Nach einer langer Reise, die um die 6500 km betrug, erreichte die neue Musik und der neue Tanz auch den alten Kontinent. Charleston war da. Die Geschichte von Charleston ist nicht lang, dafür aber sehr intensiv. Eine neue Zeit ist aufgebrochen mit einem ganz neuen Lebensgefühl, das alle mitriss. Man ging nicht tanzen, weil Tanzen etwa Spaß machte. Nein, so war das nicht. Man war verrückt nach Charleston. Die Charleston - Welle verbann alles, was da war, und bewirkte, dass für eine kurze Zeit auf beiden Seiten des Atlantiks ausschließlich nur Charleston getanzt wurde. Noch heute spekuliert man, was die Ursachen dafür waren. Lag es daran, dass Charleston fast immer in Verbindung mit illegalen Alkoholkonsum aus der Zeit der amerikanischen Prohibition gebracht wird und damit etwas "Verbotenes" inne hatte? Oder war das die Musik, die Jazz in einer populären Form breitem Publikum schmackhaft gemacht hat? Vielleicht war es die offen stehende Improvisations - Tür, die jedem erlaubte, Charleston so zu tanzen, wie ihm gerade danach war ? Damals machte man sich aber keine solche Gedanken. Man vergaß alle andere Tänze und tanzte einfach nur Charleston. Bis 1927, dann war es vorbei. Ganz ist Charleston allerdings nicht ausgestorben. Er überdauerte bis heute und wird aktiv betrieben. Es gibt Clubs, Show - Gruppen, Charleston - Wettbewerbe und unzählige, keinesfalls nur gebrauchte, Charleston - Artikel, die bei dem Auktionshaus Ebay täglich ihren Besitzer wechseln. Manche Symbolik aus den 20er Jahren hat Charleston im Laufe der Jahre verloren, eine Eigenschaft sicher nicht. Bis heute kann kaum ein anderer Tanz sie so ausdrucksvoll und beeindruckend vermitteln, wie dies der Charleston es tut : die Tanzlust und das Tanzvergnügen.

charleston

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Charleston - Musikkassette

Charleston Time

Alle Titel komponiert von Jacky Sprangers
The TIP TOP Charleston Band

Musikkassette

Der Inhalt:
01. Brass Band's Happiness
02. Go On
03. Hide And Seek
04. The Hep-Mouse
05. Saturday Night Dancing
06. The Gentlemen Are Marchin' In
07. Jocker's Meeting
08. Walkin' Through Louisiana
09. Whistler's Sunday
10. The Ring-Dove
11. At The Robbers' Ball
12. It's Charleston Time

Charleston City

So wie es bei den Wissenschaftler aller Abteilungen üblich ist, begnügen sich auch die Tanzforscher nicht mit der einfachen Version. Sie müssen weiter suchen und bohren und bohren ... So fand man heraus, dass Charleston eigentlich aus Afrika nach Amerika gekommen ist. Charleston Elemente fand man in den alten Ashanti - Tänzen in Afrika. Keine besonders ehrenwürdige Herkunft, wenn man bedenkt, das das afrikanische Volk die Nachbarn regelmäßig überfiel und die besiegten als Sklaven an die Europäer weiter verkaufte. Und das in großem Stil.
Die eigentliche Geschichte von Charleston, den Tanz, der für die wildeste Tanzwelle der 20er Jahre sorgte, begann aber in Charleston. Die um die 100.000 Einwohner zählende und in South Carolina gelegene Stadt wurde 1670 gegründet und hat eine lange Geschichte. Zusammen mit 10 weiteren Südstaaten verließ 1861 South Carolina die Vereinigten Staaten von Amerika, bildete mit ihnen die Konföderation und erklärte Unabhängigkeit. Dies führte zu einem Militärkonflikt zwischen den Nord- und Südstaaten. 1861 nimmt Charleston in dem Konflikt eine Schlüsselrolle ein. Hier begann am 12. April 1861 durch Belagerung von Fort Sumter der Amerikanische Bürgerkrieg.
Charleston war in der Region schon immer ein wichtiger und bedeutende Hafen und die Drehscheibe des amerikanischen Sklavenhandels. Von hier begann der nach der Stadt benannte Tanz seine Reise nach Norden und zog um die Jahrhundertwende nach New York hin. Da der Tanz Charleston in seinen Anfängen stark kritisiert wurde, gab die Stadt Charleston viel Geld aus, um jeden, der darauf hören wollte, zu informieren, die Stadt habe mit dem gleichnamigen Tanz nicht das geringste zu tun. Wie es sich später herausstellte : umsonst.
Charleston Time

Charleston Time
Die Charleston Ramblers

Vinyl LP, Weltmelodie, 1975

Seite 1
1. My Own Charlie Town
2. Question Time
3. Whistling Bird
4. Highway Trip
5. Plunk Fellow
6. A Railroad Rambler

Seite B
1. Sunset River Paddle Steamer
2. Sun Box
3. Charleston Station
4. Sextulip
5. Gay Guys And Girls
6. Omnibus Willy

Kurz gefasst
  • Die rasante Erfolgsgeschichte von Charleston beginnt im Jahr 1923 mit dem Musical "Running Wild". "Running Wild" brachte es fertig, Charleston auch unter der weißen Bevölkerung populär zu machen. Das Musical wurde 1923 in New York uraufgeführt.
  • Ein der ersten Negro - Musicals, das in New York vor dem weißen Publikum erfolgreich war, Jazzdance bekannt machte und eine Musical - Kettenreaktion verursachte, war das Musical "Shuffle Along" aus dem Jahr 1921. Unter den Darstellern befand sich die später zu Legende gewordene Josephine Baker.
  • Zum ersten Mal wird das weiße Publikum 1922 in dem Musical "Liza" mit Charleston konfrontiert.
  • Musikalisch stellt Charleston eine Mischung aus Ragtime und schnellen Foxtrott dar. Ragtime ist ein Vorläufer vom Jazz.
  • Die bekannteste Charleston Komposition stammt von dem amerikanischen Pianisten und Komponisten James P. Johnson (1891 - 1955). Seine Komposition "Charleston" trug das Entscheidende zum Erfolg des Musicals "Running Wild" bei und sorgte für den endgültigen Charleston - Durchbruch in den Vereinigten Staaten.
  • Für Charleston braucht man praktisch keine Tanzfläche. Die Abbildungen und Filmszenen aus den 20er Jahren zeigen Charleston - Tanzende auf den Straßen, Bauerhöfen, Schiffen oder Dächern von Hochhäusern. Der Tanzlehrer Santos Casanis tanzt Charleston auf dem Dach eines durch London fahrenden Taxis und macht den Tanz noch populärer.
  • Der wichtigste Träger von Charleston in Europa war die Tänzerin Josephine Baker (1906 - 1975). Ihre Auftritte in der "Revue Negre" in Paris legten ihr den gesamten Kontinent zu Füßen und sorgten für eine sensationelle Verbreitung von Charleston in ganz Europa.
  • Charleston machte vor niemandem Halt. In Großbritannien wurde sogar der Prinz von Wales zu einem seiner größten Anhänger.
  • Der Charleston wurde von Black Bottom abgelöst.
  • Charleston wurde sehr oft von der "feinen" Gesellschaft kritisiert und musste sich solche Bezeichnungen wie "Negerorgie" gefallen lassen.
  • Das berühmte Plakat für die Revue Negre 1925 in Paris entwarf Paul Colin. Er war ein großer Bewunderer und Liebhaber von Josephine Baker.
  • Eine der Charleston Figuren heißt Fächer. Hierbei werden die Knie angewinkelt und abwechselnd geöffnet und geschlossen. Die Hände werden auf Knie gelegt und wechseln ständig von einem Knie zum anderen.
  • Wie erfolgreich so geheimnisvoll. Wie Charleston den Weg zum Broadway, fand ist nicht ganz klar. Darüber gibt es mehrere Geschichten, die manche Quellen als Tatsachen anführen. Eine davon erzählt von drei Jungs, die auf der Straße mit dem Charleston - Tanz Geld verdienen wollten. Zufällig von den "Running Wild" - Macher entdeckt, landeten sie schnell bei den Proben. Ihre spektakuläre Nummer wurden überarbeitet und sorgten kurz danach für einen grandiosen Erfolg des Musicals. Ob die drei dabei etwas verdienten ist nicht sicher, zu einem Auftritt von dem Trio auf dem Broadway ist es nie gekommen.
  • Die Tänzer Annette Mills und Robert Sielle gelten als die ersten, die den Charleston in Europa (Großbritannien) vorstellten. Das Paar trat viele Jahre gemeinsam auf, ihre im Jahr 1925 geschlossene Ehe war aber nicht von Dauer.
  • Charleston ist äußerst universell. Man kann ihn Solo, paarweise oder in einer Gruppe tanzen. Zu seiner Beliebtheit trug auch das Merkmal bei, dass man durch Abklatschen die Partner während des Tanzes wechseln konnte.
  • Es gibt einige weitere Tänze, die im Charleston ihren Ursprung haben wie Lindy Charleston, Savoy Charleston oder Swinging Charleston.
  • Im Film "Ist das Leben nicht schön?" ("It's a Wonderful Life") aus dem Jahr 1946 (Regie Frank Capra) nehmen George Bailey und Mary Hatch an einem Tanzwettbewerb teil und tanzen Charleston. George Bailey wurde von James Stewart, Mary Hatch Bailey von Donna Reed gespielt.

Johnny Milton - Charleston Cocktail

Johnny Milton and his Band
Charleston Cocktail

A.
1 - Some Of These Days (Brooks)
2 - If You Know Susie (De Sylva)
3 - Tiger Rag (La Rocca)

B.
1 - I Can't Give You Anything But Love (Field - McHugh)
2 - Sweet Sue (V. Young)
3 - 12th Street Rag (Shelton)

Vinyl Single, Metronome Records AB

Josephine Baker

Bevor Josephine 15 wurde, befand sie sich bereits in ihrer zweiten Ehe. Für den einen Josephine Baker, für den anderen Freda Josephine McDonald, für einen weiteren Freda Carson, war sie für alle gemeinsam die Tanz - Legende schlechthin. Sie stammt aus St. Louis, wo sie am 3. Juni 1906 als uneheliche Tochter einer schwarzen Mutter und eines weißen Vater geboren wurde. Den Start absolviert sie von ganz unten, in den Slums von St. Louis. Sie tanzt auf der Straße, singt auf dem Bürgersteig und schläft dort, wo sie gerade steht. Mit 16 befreit sie sich von dem Elend und verlässt St. Louis. Sie tritt in New York in Clubs, Kabaretts, Theaters und Revues auf, jedoch ihre Chancen auf einen Durchbruch stehen schlecht. In dem von der Rassentrennung geprägten Amerika der Vorkriegszeit gibt es immer noch kaum Platz für Afroamerikaner. Die Lage ändert sich drastisch als sie 1925 mit der amerikanischen "La Revue Nègre" ihren Auftritt in Paris hat. Die Franzosen wurden an diesem 2. Oktober zum ersten Mal mit Charleston konfrontiert. Der Erfolg fällt sensationell aus, ganz Paris ist von Josephine und ihrem Tanz grenzenlos begeistert. Dieser Triumph bewegt die Josephine zum Bleiben in Paris. Sie erhält 1937 die französische Staatsbürgerschaft. Sie tourt durch ganz Europa und erlangt einen weltweiten Ruhm. Josephine Baker macht sich aber auch im Kampf gegen Rassismus einen Namen. Sie adoptiert 12 Kinder unterschiedlicher Hautfarben und Religionen und besucht für den Kampf gegen Rassismus mehrmals Amerika. Unter vielen ihrer Auszeichnungen findet sich auch das Ritterkreuz der französischen Ehrenlegion, die ranghöchste Auszeichnung Frankreichs. Josephine Baker starb am 12. April 1975 in Paris.

"Ich war nicht wirklich nackt,
ich hatte einfach keine Kleider an"
Josephine Baker


  • Josephine Baker wurde oft als "Schwarze Venus" oder "Schwarze Perle" bezeichnet.
  • Im Kreis ihrer Freunden befanden sich u.a. Pablo Picasso und F. Scott Fitzgerald.
  • In Paris gründete Josephine ihr eigens Club "Chez Josephine".
  • Während des zweiten Weltkriegs engagiert sie sich für das Rote Kreuz.
  • 1990 wurde Josephine Baker in St. Louis Walk of Fame aufgenommen (http://www.stlouiswalkoffame.org/inductees/josephine-baker.html).
  • Sie soll 1500 Heiratsanträge bekommen haben.
  • Sie überraschte die Zuschauer stets mit neuen, ausgefallenen und exzentrischen Kostümen. Von ihr stammt der weltberühmte "Bananen - Rock".
  • Als Schauspielerin trat Josephine Baker unter anderem in "La Sirene des Tropiques", "Zou Zou" und "Princesse Tam-Tam" auf.
  • Ihre Familie bezeichnete man als die Regenbogenfamilie. Ihre Adoptivkinder waren Akio (Korea), Janot (Japan), Luis (Kolumbien), Jarry (Finnland), Jean-Claude (Kanada), Moïse (Frankreich), Koffi (Elfenbeinkiste), Mara (Venezuela), Noël (Frankreich), Brahim (Algerien), Marianne (Frankreich) und Stellina (Marokko).
  • Trotz eines riesigen Erfolges in Europa wurde sie in Amerika nie entsprechend gewürdigt. "Ziegfeld Follies" mit Josephine Baker fand 1936 in Amerika kaum Beachtung. Dies änderte sich erst nach ihrem Tod, als Josephine Baker in die Gesellschaft der größten Kulturexporten Amerikas aufgenommen wurde.
  • Ein besonderes Merkmal von Josephine war ihre Fähigkeit zu schielen.

The Original Charleston
Rhythms Of The Roaring Twenties

The Original Charleston - Rhythms Of The Roaring Twenties

Audio Cd, The Gift Of Music, 2007
The Original Charleston - Rhythms Of The Roaring Twenties
The Original Charleston

•   Somebody Stole My Gal (Ted Weems and His Orchestra )  
•   Charleston (Paul Whiteman and His Orchestra )  
•   Fascinating Rhythm (Fred and Adele Astaire)  
•   Who? (Josephine Baker )  
•   Swanee (AI Jolson )  
•   When My Baby Smiles At Me (Ted Lewis and His Orchestra)  
•   Black Bottom Stomp (Jelly Roll Morton and His Red Hot Peppers )  
•   Dardanella (Ben Selvin, Violin, and His Orchestra )  
•   If You Knew Susie (Eddie Cantor)  
•   Some of These Days (Sophie Tucker)  
•   Yes, We Have No Bananas (Billy Jones and Orchestra)  
•   Sweet Georgia Brown (Ben Bernie, Violin, and His Hotel Roosevelt Orchestra)  
•   I'd Rather Charleston (Fred and Adele Astaire)  
•   Honey (Rudy Vallee and His Connecticut Yankees )  
•   That Certain Feeling (Josephine Baker)  
•   Nola (Carl Fenton and His Orchestra)  
•   Wabash Blues (Isham Jones and His Orchestra)  
•   I'm Coming, Virginia (Bix Beiderbecke with Frankie Trumbauer and His Orchestra)  
•   Do It Again! (Paul Whiteman and His Orchestra )  
•   Kitten on the Keys (Zez Confrey and His Orchestra )  
•   That's No Bargain (Red Nichols and His Five Pennies)  

Charleston Mode

© Patrick Hermans - Fotolia.com


Outfit

Man kann es natürlich so halten, wie die Charleston - Legende Josephine Baker es getan hat und tanzt den Charleston bekleidet nur mit einem Bananen - Rock. Und sonst nichts.
In den 20er Jahren bevorzugten jedoch die meisten Damen eine etwas komplettere Bekleidung, die so ausfiel, dass sie die Charleston - Mode der 20er Jahren eindeutig und unverwechselbar machte. Kennzeichnend für die Mode der Zeit waren in erster Linie knielange, ärmellose Kleider, die mit Fransen, Federn und Pailletten geschmückt waren. Ein Charleston - Kleid in Röhrenform mit einer tiefen Taille aus hauchdünnem Stoff gehört zu den größten Klassiker der 20er Jahren. Eine Reihe von Accessoires vervollständigte das Bild. Dazu gehörten Perlenketten, Boas, Stirnbänder, Handtaschen und fingerlose Handschuhe. Dass man in der Zeit einen großen Wert auf die schockierende Wirkung legte zeigt sich am besten am Beispiel noch einen Zusatzes. Der absolute Renner der Zeit waren endlose Zigarettenspitzen, die in der Länge bis zu 40 cm erreichten.




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