film The Tango Lesson






"Der Tango ist der unmittelbare Ausdruck von etwas,
was Dichter oft in Worten auszudrücken versuchen:
der Glaube, dass ein Kampf ein Fest sein kann"
JORGE LUIS BORGES


Gleich, nachdem man den Film gesehen hat, stellt sich die Frage, ob die Berufswahl Sally Potters wirklich für sie glücklich ausgefallen ist. Die Regisseurin des Films schrieb nämlich nicht nur das Drehbuch, sie spielt dazu noch in dem Streifen selbst mit und da gleich die Hauptrolle als eine hervorragende Tango Argentino - Tänzerin. Sie erledigte ihre drei Hausaufgaben, Regie, Drehbuch und die Hauptrolle, so gut, dass "The Tango Lesson" zum Tango Argentino - Kultfilm aufgestiegen ist. Der deutsche Titel "Tango-Fieber" ist so schlecht gewählt, dass man ihn am liebsten gleich vergessen möchte. Es drängt sich hier der Verdacht auf, dass der Titelerfinder den Film gar nicht gesehen hat. Es ist eine nah melancholische, ein wenig poetische, tiefsinnige, zum Nachdenken inspirierende Geschichte, mit herausragenden Tanzszenen. Was aber anzumerken ist: mit "Saturday Night Fever" hat sie nichts zu tun, auch wenn der Begriff "Tanzen" zu beiden sehr gut passt.

Film - The Tango Lesson

The Tango Lesson


(deutsch : Tango - Fieber)
1997

Regie : Sally Potter
Drehbuch: Sally Potter

In den Hauptrollen Sally Potter als Sally und Pablo Verón als Pablo.

DVD, Pandora Film


Pablo (Pablo Veron), Tänzer und Tanzlehrer des Tango Argentinos in einem, zeigte das zwar nicht, musste aber sicher richtig staunen als er unerwartet von einer Frau in ein ziemlich unkonventionelles Gespräch verwickelt wurde:

- "Ich möchte ihnen sagen, Sie haben die Anmut eines Engels".
- "Vielen Dank".
- "Aber es ist nicht nur das. Sie geben, aber nicht zu viel. Sie setzen ihre Bühnenpräsenz ein, wie ein Filmschauspieler".
- "Arbeiten Sie beim Film?"
- "Ja".
- "Geben Sie Tangostunden?".

Pablo absolvierte gerade mit seiner Freundin und Tanzpartnerin einen Bühnenauftritt als die Unbekannte ihn ansprach. So sah er zum ersten Mal Sally (Sally Potter) und lernte sie kennen. Sie spielt sozusagen sich selbst und tritt in dem Film als Filmregisseurin auf. Gerade ist sie dabei ein neues Drehbuch zu schreiben, womit sie aber nicht so richtig vorankommt. "Es geht um die Schönheit und Verherrlichung des Todes" erklärt sie bei einem Gespräch mit einem Filmproduzenten - Team, bei dem sie um die notwendigen 20 Millionen Dollar wirbt, die für die Herstellung des Films notwendig sind. Die Aktion ihres neuen Streifens spielt sich in Paris ab. Einen Modedesigner stört der große Medienrummel um seine Models. Danach sterben die Models unter mysteriösen Umständen auf unerklärliche Weise nacheinander, bis nur das letzte, sein Lieblingsmodel, übrigblieb. Der Modedesigner ist kein alltäglicher, er hat nämlich keine Beine. Doch das Gespräch mit den Produzenten führt Sally nicht besonders überzeugend. Sie selbst ist mit ihrem schleppend entstandenem Drehbuch nicht zufrieden und zum Schluss heißt es dann endgültig: "Ich werde meinen Film nicht machen". Die Szenen, die kurze Sequenzen aus ihrem in ihrer Phantasie entstehendem Film zeigen, sind die einzigen, die in dem Film in Farbe gedreht wurden. Ansonsten ist der gesamte "The Tango Lesson" schwarz - weiß. Sie schreibt in Paris und hier macht sie auch einen Ausflug zur einer Tango Argentino - Vorstellung mit Pablo auf der Bühne. Direkt nach der Vorführung spricht sie ihn dann an.
Pablo nimmt das Angebot mit den Tanzstunden an und Sallys Tango Argentino - Unterricht beginnt. Es dauert nicht lange bis Sally sich extra neue Tanz-Schuhe besorgt. Bald überrascht sie einen argentinischen Taxi - Fahrer mit ihren Tango - Kenntnissen im Bereich der Tango - Musik. Das Paar, der Tanzlehrer und seine Schülerin, nachdem seine letzte Beziehung geplatzt ist, kommt sich allmählich näher und sie verlieben sich ineinander. Dabei treffen sie eine ungewöhnliche Vereinbarung. Er soll ihr Tanzen beibringen und aus ihr eine Tango Argentino - Tänzerin machen, sie im Gegenzug soll aus ihm einen Filmstar kreieren. Da sie jetzt die Arbeit an ihrem alten Film-Projekt abgebrochen hatte, konnte sie sich unbeschwert der neuen Aufgabe widmen: einem Tanzfilm über Tango Argentino mit Pablo in der Hauptrolle. Worauf sich die beiden dabei eingelassen haben, zeigte sich im weiterem Verlauf der Handlung. Es ist nun mal so, dass beim Tango er als Mann derjenige ist, der führt und den Ton angibt. Bei ihrem gemeinsamen Filmprojekt wechseln sich aber die Rollen. Sie, die Regisseurin und dazu noch eine Frau, hat das Sagen und weist hin, wo es lang geht. So wird ganz plötzlich der aus Argentinien stammende Tänzer Pablo vor unerwartete Schwierigkeiten gestellt, die verstärkt durch seine südamerikanische Mentalität, mit traditionell klar und streng verteilten Rollen zwischen Mann und Frau, unüberwindbar erscheinen. Die ersten Probleme in der Beziehung zwischen Sally und Pablo entstehen und türmen sich auf. Nach einem gemeinsamen Tango - Auftritt der beiden in einer Tanz-Show, kracht es dann ganz richtig und die Beziehung droht endgültig in die Brüche zu gehen. Er macht ihr große Vorwürfe wegen ihrer Unfähigkeit, sich führen zu lassen, wodurch er als Tänzer sehr stark eingeengt wird und sich nicht entfalten kann. Sie wiederum fühlt sich missbraucht und ausgenutzt. Die Wege der beiden trennen sich. Tango Argentino, der Kampf der Geschlechter, wird für die beiden im übertragenem Sinne allmählich zur Realität und stellt sie vor einer Prüfung. Aber Tango Argentino gilt ebenso als Symbol für die Liebe. Und diese steht nun mal für Überwindung und das Für- und Miteinander. Als Sally dies bewusst wird, startet sie noch einen letzten Versöhnungsversuch, greift nach einen Telefonhörer und ruft Pablo an.